Talent werden Kooperationsanfrage
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Kooperationsanfrage auf Instagram: seriös, Betrug oder einfach schlecht bezahlt

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Abstrakte Nachrichtenkarten werden an einer transparenten Prüfstation sortiert KI-generiert

Eine Marke, von der du noch nie gehört hast, schreibt dir in die DMs. Ein Kompliment, ein kostenloses Produkt, das Wort Kooperation.

Du weißt nicht, ob du dich freuen oder wegwischen sollst.

Die Frage hat zwei Hälften. Erstens: Gibt es diese Marke überhaupt, oder will jemand an dein Geld und deinen Account?

Zweitens, und das ist unbequemer: Die Marke existiert, die Anfrage ist echt, das Angebot ist trotzdem schlecht.

Beides klärst du in zehn Minuten.

Erst prüfen, dann freuen

Fang bei der Absenderadresse an. Wer ein Budget für Kooperationen hat, schreibt von der eigenen Domain. Nicht von einer Freemail-Adresse mit dem Markennamen davor.

Kam die Anfrage als Direktnachricht, schau dir das Profil an. Wie alt ist es, wie viele Beiträge stehen drin, und findet die Bilderrückwärtssuche dasselbe Produktfoto bei zehn anderen Shops?

Dann die Website. Die Verbraucherzentrale rät bei fragwürdigen Angeboten ausdrücklich, zuerst ins Impressum zu schauen: Firmenname, Sitz, Handelsregisternummer, erreichbare Adresse.

Fehlt das, bist du schon fertig.

Bei der Watchlist Internet kannst du den Namen außerdem in der Liste betrügerischer Shops nachschlagen.

Die zuverlässigste Prüfung kostet dich eine Mail. Schreib die Marke über den Kontaktweg auf ihrer offiziellen Seite an, nicht über den aus der Anfrage, und frag, ob die Person wirklich für sie arbeitet.

Echte Marken antworten. Erfundene bleiben still.

Vier Muster, an denen du eine unseriöse Kooperationsanfrage erkennst

Bei einer Kooperation zahlst du nie

Das Produkt ist gratis, du übernimmst nur den Versand.

Die Watchlist Internet warnt genau davor: Auf Instagram wird wahllos angeschrieben, wer antwortet, soll für eine angebliche Kooperation zahlen. Danach kommt weder Ware noch Antwort.

Das Onlinemarketing-Magazin OMR hat dieselbe Mechanik bei Dropshipping-Shops beschrieben: Die Versandgebühr für angeblich kostenlosen Schmuck lag über dem echten Warenwert.

Die Verbraucherzentrale nennt Vorkasse das Warnzeichen schlechthin. Bei einer Kooperation fließt Geld zu dir, nicht von dir weg.

Der Anhang, der dich den Kanal kostet

Die Sicherheitsfirma CloudSEK hat eine Kampagne gegen YouTube-Kanäle dokumentiert. Die Mails lasen sich wie ordentliche Markenangebote, mit Briefing und Zeitplan.

Die Vertragsunterlagen lagen in passwortgeschützten Archiven auf einem Cloud-Speicher. Darin steckte eine ausführbare Datei mit harmlos klingendem Namen.

Wer sie öffnete, verlor gespeicherte Zugangsdaten und Sitzungs-Cookies. Kurz darauf den Kanal.

Verträge kommen als PDF oder über eine Signaturplattform, deren Namen du kennst. Nicht als Archiv mit Passwort, nicht als Programm zum Installieren.

Wer dich drängt, will nicht mit dir arbeiten

Mimikama nennt als Warnzeichen unter anderem Anfragen, die dich für die angebliche Vertragsabwicklung auf eine fremde Plattform lotsen, und solche, die Vorauszahlung verlangen.

Dazu kommt fast immer Zeitdruck: nur heute, letzte Plätze, Antwort innerhalb von 24 Stunden.

Niemand, der wirklich mit dir arbeiten will, braucht deine Entscheidung in einer Stunde. Oder vorher deine Kontonummer und ein Foto deines Ausweises.

Manche wollen nicht dein Publikum, sondern dich als Kunden

Krypto, Trading-Signale, ein Coaching, das dich reich macht, ein Gesundheitsprodukt, für das du erst ein eigenes Team aufbauen sollst. Mimikama führt diese Direktnachrichten als eigene Kategorie, und sie tarnen sich gern als Kooperation.

Der Test geht schnell: Sollst du selbst kaufen, weiterverkaufen oder Leute anwerben, ist es keine Kooperation, sondern ein Vertriebsangebot.

Auf unserer Startseite steht der Satz „Ich screene jeden Deal persönlich“. Alles bis hierher ist der schnelle Teil davon. Danach kann Geduld entscheiden: Mit einer Marke schrieben wir monatelang hin und her. Patrick rechnete zwischenzeitlich nicht mehr mit einem Abschluss, am Ende buchte sie das Talent für ein ganzes Jahr. Der Teil, der über dein Honorar entscheidet, kommt jetzt.

Die Anfrage ist echt. Ist sie deshalb ein guter Deal?

Zwischen Betrug und gutem Deal liegt ein Feld, in dem alles legal ist und du trotzdem draufzahlst.

OMR hat es beschrieben. Dropshipping-Shops werben mit automatisierten Kommentaren unter fremden Beiträgen um sogenannte Ambassadors, über dutzende bis hunderte Unteraccounts, damit gesperrte Profile sofort ersetzt sind.

Wer sich meldet, bekommt kein Honorar, sondern einen Rabattcode für den eigenen Einkauf, je nach Shop 20 bis 50 Prozent. Dazu einen Follower-Code mit 10 bis 25 Prozent Provision.

OMR schildert eine Creatorin mit rund 150 Followern. Sie gab über 500 Euro in so einem Shop aus, ihr Code wurde nie eingelöst.

Sie hat Werbung gemacht und dafür bezahlt.

Das ist der Extremfall. Häufiger: echte Marke, echtes Produkt, ein Honorar, das nach viel klingt, bis du liest, was alles dabei sein soll.

Vier Fragen klären das, bevor du zusagst.

  • Was genau geliefert wird: wie viele Beiträge, welche Formate, wie viele Korrekturschleifen, Rohmaterial ja oder nein.

  • Wo und wie lange die Marke dein Material verwenden darf.

  • Was gezahlt wird, bis wann, und gegen Rechnung.

  • Ob dich der Vertrag danach eine Weile von anderen Marken derselben Kategorie ausschließt.

Die zweite Frage ist die teuerste. Ein Repost auf dem Kanal der Marke ist etwas anderes als eine Anzeige, die ein Jahr lang in ihrem Werbekonto läuft. Die Freigabe, dein Profil selbst für Anzeigen zu nutzen, noch einmal etwas anderes.

Wer das erst nach der Zusage bespricht, verhandelt aus der schwächeren Position.

Eine Marke, die es ernst meint, beantwortet alle vier Punkte schriftlich und fängt von selbst mit der Werbekennzeichnung an. Bleibt eine Antwort aus, hast du deine Antwort.

Rechne einmal durch, was der Deal dich kostet

Nicht der Warenwert entscheidet, sondern deine Stunden. Abstimmung, Dreh, Schnitt, Korrekturschleife, Posten, Kommentare beantworten.

Ein Reel, das nach zwei Minuten Arbeit aussieht, ist selten in unter einem halben Tag fertig.

Setz einen Stundensatz an, den du auch in einem anderen Job verlangen würdest, zähl die Stunden zusammen und stell die Summe neben das Angebot. Ist die Zahl zu klein, hast du dich schon entschieden.

Bei Ware statt Geld kommt eine zweite Rechnung dazu. Nicht der Ladenpreis ist dein Gegenwert, sondern das, was du dafür tatsächlich ausgegeben hättest.

Und steuerlich ist der Wert der Ware nicht null. Wie er in deinem Fall zählt, gehört zu deinem Steuerberater und nicht in einen Blogbeitrag.

Absagen, ohne die Tür zuzuschlagen

Auf eine Betrugsanfrage antwortest du gar nicht. Melden, blockieren, fertig. Wer schon gezahlt oder Kontodaten weitergegeben hat, sollte laut Verbraucherzentrale umgehend die eigene Bank informieren.

Eine echte Anfrage abzulehnen ist dagegen unspektakulär: kurz, freundlich, ohne Rechtfertigung. Lange Begründungen laden nur zum Nachverhandeln in die falsche Richtung ein.

Meistens ist ein Gegenangebot die bessere Absage.

Danke für die Anfrage. Das Format passt gut zu meinem Kanal, das Budget leider nicht. Für ein Reel plus Story liegt mein Preis bei X, Nutzungsrechte für Anzeigen kommen separat dazu. Wenn das machbar ist, sprechen wir gern weiter.

Wer dir heute schreibt, arbeitet in zwei Jahren vielleicht woanders und erinnert sich, wie du reagiert hast. Kein Grund, schlechte Deals anzunehmen. Ein Grund, freundlich abzusagen.

Wann eine schwache erste Anfrage trotzdem ein Anfang ist

Eine kleine Marke mit einem kleinen, ehrlich benannten Budget ist etwas anderes als jemand, der dir erklärt, Sichtbarkeit sei die Bezahlung.

Den Unterschied merkst du an Kleinigkeiten. Sie kennen deinen Kanal und nennen konkrete Beiträge. Sie wissen, was sie erreichen wollen. Sie fragen nach deinem Preis, statt einen zu diktieren. Auf Rückfragen kommen Antworten, keine neuen Fristen.

Dann lohnt sich das Weiterreden auch bei einem Betrag, der dich erst enttäuscht. Ein kleiner erster Deal, sauber abgewickelt, ist mehr wert als ein großer, bei dem du Nutzungsrechte verschenkst, die du nicht zurückholen kannst.

Keine Anfrage wird besser, weil du sie ungeprüft annimmst.

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