Der 10-Minuten-Check, bevor du einen Kooperationsvertrag unterschreibst
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KI-generiertDer 10-Minuten-Check, bevor du einen Kooperationsvertrag unterschreibst
Der Vertrag kommt als PDF am späten Nachmittag, dazu die Bitte um kurze Rückmeldung bis morgen.
Acht Seiten, viel Fettdruck, und irgendwo dazwischen die Sätze, die über dein Honorar und deine nächsten Monate entscheiden.
Du brauchst dafür kein Jurastudium. Einen Kooperationsvertrag als Influencer zu prüfen heißt zuerst einmal: die sechs Stellen finden, an denen es teuer werden kann. Dafür reichen zehn Minuten, wenn du weißt, wonach du suchst.
Vorweg zwei Klarstellungen. Das hier ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine anwaltliche Prüfung. Und es geht um den Vertrag mit einer Marke über eine einzelne Kooperation. Der Vertrag mit einem Management, also Provision, Laufzeit und Exklusivität der Zusammenarbeit selbst, ist ein anderes Papier, und wir haben ihn in einem eigenen Beitrag auseinandergenommen.
Ob die Anfrage hinter dem Vertrag überhaupt echt und ernst gemeint ist, solltest du vorher geklärt haben. Falls nicht: Unser Beitrag über Kooperationsanfragen zeigt, wie das geht.
Steht genau drin, was du lieferst?
Such den Absatz, der deine Leistung beschreibt, und lies ihn wie eine Bestellung. Wie viele Beiträge, welche Formate, welche Länge, auf welchen Kanälen, bis wann?
„Content für die Kampagne“ ist keine Bestellung. Was nicht beziffert ist, wird später nachverhandelt, und zwar dann, wenn du schon zugesagt hast.
Zwei Zahlen fehlen besonders oft. Die Anzahl der Korrekturschleifen: Steht keine drin, sind es so viele, wie die Marke möchte. Und die Frage, ob Rohmaterial dazugehört: Deine ungeschnittenen Aufnahmen sind eine eigene Leistung, kein Beifang.
Auch der Termin gehört hierher. Steht ein konkretes Veröffentlichungsfenster drin, und wer legt es fest? Ein Posting-Termin, den die Marke einseitig verschieben darf, verschiebt deinen Redaktionsplan gleich mit.
Was wird gezahlt, und wann ist das Geld da?
Der Betrag selbst steht meistens drin. Prüf den Rest. Netto oder brutto? Fällig ab wann, ab Rechnung, ab Freigabe oder erst ab Veröffentlichung? Und mit welchem Zahlungsziel?
Fehlt das Zahlungsziel, schlag eines vor und lass es hineinschreiben. Ein Datum im Vertrag ist mehr wert als jede Zusicherung im Videocall.
Bei größeren Paketen, die sich über Wochen ziehen, frag nach Teilzahlungen. Und klär, wer Nebenkosten trägt, von der Anfahrt bis zur Requisite.
Noch ein Wort zur Form: Zusagen aus dem Call gehören als Satz in den Vertrag, wenigstens aber in eine Mail. Was nirgends steht, wurde nie versprochen.
Was darf die Marke hinterher mit deinem Content machen?
Die teuerste Stelle im ganzen Vertrag, und sie steht fast nie vorne. Such nach Begriffen wie „Nutzungsrechte“, „unbeschränkt“, „übertragbar“ oder „Whitelisting“.
Ein Post auf deinem Kanal und die Freigabe, dein Video ein Jahr lang als Anzeige zu schalten, sind zwei verschiedene Leistungen mit zwei verschiedenen Preisen. Steht die zweite beiläufig im Vertrag, verschenkst du sie gerade.
Den fünf Stellschrauben dieser Klausel, von der Laufzeit über die Kanäle bis zum Bearbeitungsrecht, haben wir einen eigenen Beitrag gewidmet. Wenn du nur einen Text neben deinen Vertrag legst, dann den über Nutzungsrechte.
Wen darfst du während und nach der Kampagne nicht bewerben?
Exklusivität steht oft unscheinbar in einem Halbsatz: keine Zusammenarbeit mit Wettbewerbern während der Laufzeit, manchmal auch für Monate danach.
Stell dieser Klausel drei Fragen. Wie eng ist die Kategorie beschrieben, ein ganzer Markt oder ein Regalmeter? Wie lange gilt die Sperre, und ab wann läuft sie? Und steht ihr ein Gegenwert im Honorar gegenüber?
Eine Sperrfrist kostet dich keine Arbeitsstunde, aber jeden Auftrag, den du in dieser Zeit absagen musst. Unbezahlt sollte sie deshalb nie sein.
Wer gibt frei, und was gilt, wenn niemand antwortet?
Der Freigabeprozess entscheidet darüber, wie zäh die Zusammenarbeit wird. Steht drin, wer bei der Marke freigibt und bis wann? Eine Frist für das Feedback schützt dich davor, dass dein Beitrag wochenlang in einer fremden Ablage liegt, während dein Redaktionsplan wartet.
Ein Warnzeichen ist die Formulierung „zur Zufriedenheit der Marke“. Zufriedenheit ist kein Maßstab, den du erfüllen kannst, weil sie sich nach jeder Fassung neu erfinden lässt. Hinein gehören eine feste Zahl an Schleifen und ein Briefing, an dem sich die Abnahme messen lässt.
Bei 100% MGMT läuft dieser Schriftverkehr grundsätzlich offen: Jedes Talent hat jederzeit Einsicht in alle E-Mails und Verträge, so steht es auf unserer Über-uns-Seite. Der Gedanke dahinter passt zu diesem Check. Was offen liegt, lässt sich prüfen, bevor es teuer wird.
Was passiert bei Absage, und was, wenn der Content „nicht gefällt“?
Kampagnen platzen, auch ohne dein Zutun. Steht im Vertrag, was du bekommst, wenn die Marke absagt, nachdem du schon produziert hast? Ein Ausfallhonorar für geleistete Arbeit ist eine faire Forderung, und sie fällt leichter, solange noch nichts passiert ist.
Die zweite Frage ist unangenehmer: Was gilt, wenn der Marke das Ergebnis nicht gefällt? Nachbessern innerhalb der vereinbarten Schleifen ist Teil des Jobs. Ein Vertrag, der der Marke erlaubt, bei Nichtgefallen einfach nicht zu zahlen, verlagert ihr komplettes Risiko auf dich.
Wirf zum Schluss einen Blick auf Vertragsstrafen: wofür genau, in welcher Höhe? Eine Strafe für den Bruch einer Geheimhaltungspflicht ist etwas anderes als eine für jeden verschobenen Posting-Termin.
Spätestens wenn lange Laufzeiten, weite Exklusivität oder Vertragsstrafen zusammenkommen, gehört der Vertrag vor der Unterschrift zu einem Anwalt für Medienrecht. Diese eine Stunde ist billiger als der erste Streitfall.
Zehn Minuten sind um. Und jetzt?
Wahrscheinlich hast du jetzt zwei oder drei offene Punkte. Genau dafür war der Check da.
Schick sie als sachliche Rückfragen zurück, am besten gleich mit einem Formulierungsvorschlag. Eine Marke, die es ernst meint, beantwortet Fragen zum eigenen Vertrag schriftlich und ohne Theater. Ausweichen ist auch eine Antwort, nur keine gute.
Und lass dich von der Bitte um schnelle Rückmeldung nicht hetzen. Ein Vertrag, der heute unterschrieben werden muss, damit er morgen noch gilt, hat sein wichtigstes Warnzeichen schon geliefert.
