KI-generiertWas kostet ein Post bei dir? So kalkulierst du deinen Preis
Die Frage kommt in jeder Verhandlung, und sie kommt fast immer früher, als dir lieb ist: Was kostet ein Post bei dir?
Wer als Influencer den Preis für eine Kooperation berechnen will, findet im Netz vor allem Tabellen. So viel pro 10.000 Follower, so viel pro Reel, ordentlich sortiert nach Kanalgröße.
Diese Tabellen fühlen sich an wie Halt. Sie sind keiner.
Dein Preis ist keine Zahl, die irgendwo steht und nur gefunden werden will. Er ist eine Rechnung aus vier Posten, und alle vier kennst nur du: deine Arbeitszeit, der Wert deiner Reichweite, die Rechte an deinem Material und das, was du während der Kooperation nicht machen darfst.
Warum führt „X Euro pro 10.000 Follower“ in die Irre?
Weil die Formel so tut, als wäre jede Reichweite gleich viel wert.
Zwei Accounts mit derselben Followerzahl können völlig verschiedene Produkte sein. Der eine erreicht mit einem Reel regelmäßig mehr Menschen, als ihm folgen. Der andere erreicht einen Bruchteil der eigenen Liste. Die Formel gibt beiden denselben Preis.
Sie kennt auch deinen Aufwand nicht. Ein Foto, das nebenbei in der Story entsteht, und ein Reel mit Skript, Drehtag und drei Schnittfassungen kosten dich nicht dasselbe, stehen in der Tabelle aber in derselben Zeile.
Und sie weiß nichts von den Rechten. Derselbe Post ist ein anderes Produkt, sobald die Marke ihn hinterher ein Jahr lang als Anzeige schalten darf.
Dazu kommt, dass viele Marken längst anders rechnen. Kalkuliert wird über den Tausend-Kontakt-Preis, also die Frage, was es kostet, tausend Menschen tatsächlich zu erreichen. Für diese Rechnung braucht die Marke deine echten Reichweiten je Format, keine Followerzahl. Welche Werte dabei zählen, steht in unserem Beitrag über das Mediakit.
Eine Formel, die all das nicht kennt, kann dir keinen Preis sagen. Sie kann dich nur zu billig oder zu teuer machen, und du erfährst nicht einmal, welches von beiden.
Was kostet dich der Post an Arbeit?
Fang mit dem Posten an, den du am genauesten kennst und am liebsten unterschlägst: deine Stunden.
Zähl alles. Das Briefing lesen und beantworten. Die Idee entwickeln. Das Produkt ausprobieren, denn du willst wissen, was du da empfiehlst. Der Dreh, der Schnitt, die Korrekturschleife mit der Marke. Das Posten selbst und die Stunde danach, in der du Kommentare beantwortest.
Wer das zum ersten Mal ehrlich aufschreibt, landet selten unter einem halben Arbeitstag.
Dann der Stundensatz. Nimm einen, den du auch in einem anderen Job verlangen würdest, und zwar als Selbstständiger: Aus deinem Honorar bezahlst du Technik, Ausfallzeiten, Versicherung und Steuern selbst.
Ein ausgedachtes Beispiel, keine Marktzahl: sieben Stunden Arbeit mal 40 Euro ergeben 280 Euro. Das ist kein Preis. Das ist deine Untergrenze. Jedes Angebot darunter bezahlt deine Arbeit nicht, egal wie gut die Marke klingt.
Ausgaben kommen obendrauf: Anfahrt, Requisite, die Miete für eine Location, eine zweite Person hinter der Kamera. Wer sie vergisst, bezahlt am Ende für die eigene Kooperation.
Bietet die Marke Ware statt Geld, gilt dieselbe Untergrenze. Wie du den Warenwert dabei ehrlich ansetzt und was steuerlich dazukommt, haben wir im Beitrag über Barterdeals vorgerechnet.
Was ist deine Reichweite über die Arbeitszeit hinaus wert?
Die Untergrenze deckt deine Kosten. Bezahlt wirst du für etwas anderes: Die Marke kauft keinen Videoschnitt, sie kauft den Zugang zu Menschen, die dir zuhören.
Diesen Wert bestimmst du nicht mit einem Gefühl, sondern mit deinen Insights. Wie viele Menschen erreicht ein Reel bei dir wirklich, wie viele eine Story? Wie viele davon folgen dir gar nicht, dein Inhalt läuft also über deinen eigenen Kreis hinaus? Wird gespeichert und weitergeleitet oder nur durchgescrollt?
Auch die Zielgruppe gehört in die Rechnung. Eine enge Community, die deinen Empfehlungen folgt, ist für die passende Marke mehr wert als eine große, die vorbeiscrollt. Kleine Kanäle mit klarer Nische dürfen deshalb zu Recht mehr pro erreichter Person verlangen als große mit gemischtem Publikum.
Eine belastbare öffentliche Tabelle, was das in deiner Nische in Euro heißt, gibt es nicht. Zahlen, die trotzdem kursieren, kommen ohne Quelle und ohne Haftung. In deine Kalkulation gehören sie nicht.
Was stattdessen hilft: deine eigene Historie. Was wurde dir zuletzt gezahlt, und wie liefen diese Kooperationen? Jeder abgeschlossene Deal ist ein Datenpunkt, den keine Tabelle im Netz hat.
Warum verändern Nutzungsrechte und Exklusivität deinen Preis?
Weil sie eine zweite Bestellung sind, die gern im selben Satz mitbestellt wird.
Ein Post auf deinem Kanal ist die erste Leistung. Darf die Marke das Material danach herunterladen, umschneiden und mit Werbebudget ausspielen, arbeitet dein Content monatelang für sie weiter. Diese Nutzung hat mit deiner Arbeitszeit nichts zu tun und wird trotzdem oft als Nebensatz eingesammelt.
Rechne sie als eigenen Posten. An welchen fünf Stellschrauben der Aufschlag hängt, von der Laufzeit bis zum Bearbeitungsrecht, steht in unserem Beitrag über Nutzungsrechte.
Exklusivität ist der vierte Posten und der am leichtesten übersehene. Sie kostet dich keine einzige Arbeitsstunde, sondern Aufträge: alle Anfragen aus derselben Kategorie, die du während der Sperrfrist absagen musst. Wie viele das wären, weißt nur du. Diese Zahl gehört in den Preis.
Sobald ein Angebot lange Laufzeiten oder eine weit gefasste Exklusivität enthält, lass vor der Unterschrift einen Anwalt draufschauen. Das kostet weniger als ein Deal, der dich ein Jahr blockiert.
Was verdienen Influencer denn nun wirklich?
Die ehrliche Antwort auf eine der meistgesuchten Fragen der Branche: Es gibt keine seriöse Pauschalantwort.
Zwischen einem Kanal, der ab und zu ein Produkt in die Story hält, und einem, der Kampagnen samt Anzeigennutzung verhandelt, liegen Welten. Jede Zahl, die ohne Arbeitszeit, Reichweite, Rechte und Exklusivität auskommt, ist geraten.
Deshalb steht hier keine Spanne. Nicht weil wir geheimnisvoll sein wollen, sondern weil jede ehrliche Antwort mit deiner eigenen Rechnung anfängt.
Ein überprüfbarer Einblick in unsere: Wir bei 100% MGMT verdienen 20 Prozent Provision, ausschließlich auf vermittelte Kooperationen, kein Fixum. Das steht so auf unserer Über-uns-Seite. Verdient das Talent nichts, verdienen wir auch nichts. Das macht beim Nachrechnen erstaunlich gründlich.
Wie kommst du am Ende auf eine Zahl?
Leg die vier Posten nebeneinander. Die Arbeitszeit ist die Untergrenze. Der Wert deiner Reichweite hebt sie an. Nutzungsrechte und Exklusivität kommen als eigene Positionen dazu, sichtbar beziffert statt still eingepreist.
Sichtbar aus gutem Grund: Will die Marke weniger zahlen, verhandelt ihr dann über Umfang und Rechte statt über deinen Wert. Eine kürzere Laufzeit, keine Anzeigennutzung, eine Story weniger. Der Preis bewegt sich, ohne dass du dich kleiner machst.
Nenn deine Zahl immer mit ihrem Bezug: welches Format, wie viele Korrekturschleifen, welche Rechte, welcher Zeitraum. Eine nackte Zahl lädt zum Feilschen ein, eine bezifferte Leistung nicht.
Und schreib dir deine Rechnung auf, bevor die nächste Anfrage kommt. Die Frage „Was kostet ein Post bei dir?“ verliert ihren Schrecken in dem Moment, in dem du die Antwort nicht mehr suchen musst.
